Spannendes Interview mit Filip, dem seit drei Jahren schnellsten Marathonläufer Berlins!!!

 

 

Wie fühlst Du Dich nach dem Paris-Marathon, in dem du den 25. Platz, in einer Zeit von 2:21:41, erreicht hast?

 

Ich bin sehr stolz auf das Erreichte. Die Ziellinie nach einem starken Rennen zu überqueren und dabei meine Bestzeit zu toppen war ein unglaublich emotionaler Moment für mich. Dieser Moment war all die Anstrengungen und Enttäuschungen auf dem Weg zum Marathon wert.

 

Perfekte Bedingungen waren es nicht, oder? Wie verlief das Rennen für dich?

 

Es hätte schlechter sein können. Das Wetter war zum Beispiel nahezu perfekt – viel Sonne und nicht zu viel Wind. Schwierig war allerdings, dass es keine passende Gruppe gab, in der ich auf eine Halbmarathonzeit von 70 Minuten (3’20’’/km) zusteuern konnte.

Die erste und zweite Gruppe der Elite-Läufer waren zu schnell – die haben auf Halbmarathonzeiten von 63 bzw. 66 Minuten zugesteuert. Ich habe mich dann einer etwas größeren Gruppe angeschlossen. Ich wusste, dass einer der Läufer eine Zielzeit von 2:20 Stunden anpeilte. Nach 2-3 Kilometern ist mir klargeworden: Wir sind zu langsam. Ich habe dann versucht, zu ein paar einzeln Laufenden ca. 50-100 Meter vor mir aufzuschließen. Das hat zwar funktioniert, aber trotzdem haben wir es in der Kleingruppe nicht geschafft, eine gemeinsame Dynamik aufzubauen und Energie zu sparen. Bei Kilometer 12 hatte ich bereits 46 Sekunden Rückstand auf meine angestrebte Halbmarathonzeit von 70 Minuten – und verlor das Ziel einer guten Marathonzeit immer mehr aus den Augen.

Um noch größeren Zeitverlust zu verhindern, habe ich mich bei Kilometer 15 entschieden, die Initiative zu übernehmen. Niemand der Anderen folgte, sodass ich auf mich gestellt war für die noch verbliebenen 27 Kilometer. Seltsamerweise war das richtig befreiend für mich, sodass ich viel Boden gut machen konnte und bei 01:10:20 die Halbmarathonmarke überschritt. Ich lief weiter stark, nun an der Seine entlang und war selbst überrascht, dass ich konsistent Zeiten unter 03:20 Minuten pro Kilometer laufen konnte – sogar in den harten Tunnelabschnitten. Ab Kilometer 30 war es hart, den Rhythmus beizubehalten, besonders Kilometer 32 war brutal: Die Straße führte aufwärts in den Park de Boulogne. Diese „Mauer“ Anfang der 30er Kilometer führt für viele Läufer zu einer Veränderung des Rhythmus. Doch zum Glück konnte ich mich schnell erholen und nochmal an Geschwindigkeit hinzugewinnen für die Kilometer 34 bis 36. Ab dann läufst du einfach um dein Leben und kämpfst dich durch bis ins Ziel. Die letzte Abbiegung in die Avenue de Foch, vor den Augen den Arc de Triumph – und mit ihm die Ziellinie – ist ein unglaublicher Anblick, der dir nochmal einen emotionalen Boost gibt.

 

 

 

Kurz ein paar Worte zum Training: Nenne uns die stärkste Einheit und die schwächste, die du in der Vorbereitungsphase auf Paris-Marathon gehabt hast.

 

 

Das härteste und gleichzeitig stärkste Training war ein Drei-Tage-Trainingsblock zwei Wochen vor dem Marathon. Ich hatte nicht erwartet, am Dienstag so zu pushen: Wir sind auf der Laufbahn in der Halle schnelle Tempoeinheiten zwischen 300 und 1000 Meter gelaufen. Ich habe es geschafft, die angepeilten Zeiten zu erreichen – doch nach der letzten Wiederholung habe ich mich physisch wie mental vollkommen leer gefühlt. Soweit zu meinem härtesten Training. Mein stärkstes Training war zwei Tage später, am Donnerstag. Die Vorgabe war, 12 Kilometer in Marathontempo zu laufen. Vom Prinzip nicht besonders fordernd. Da ich aber noch ziemlich müde von Dienstag war, war ich nicht sehr zuversichtlich, dass ich das Training durchstehen würde. Trotzdem habe ich es geschafft, mit der Hilfe meiner Teammitglieder die Pace für 12 Kilometer durchzuhalten – ich habe sogar noch 4 Kilometer dranhängen können. Da wusste ich: Ich bin bereit für den Marathon.

 

 

 

Welche Trainings liegen Dir und machen am meistens Spaß? Wo mußt Du Dich sehr motivieren?

 

 

Obwohl meine Stärke die Langstreckenläufe sind, habe ich am meisten Spaß an Tempo-Intervallen auf der Laufbahn in der Halle. In hohem Tempo durch die Kurven zu fliegen, gibt so einen Adrenalin-Kick, dass es süchtig macht. Im Gegensatz dazu fehlt mir bei langen Tempoläufen manchmal die Motivation, alleine und erschöpft von vorherigen Trainings zu laufen. Besonders wenn ich am Computer sitze und an spannenden Forschungsprojekten arbeite.

 

Was kannst Du, insbesondere für die Berliner-Laufszene, über das SCB Berlin Laufzentrum erzählen, wo Du seit 2014 trainierst?

 

 

Es macht viel mehr Spaß, mit dem Team zu trainieren als alleine. Zum einen pusht uns der Trainer mit originellen und kreativen Trainingseinheiten. Sein ganzheitlicher Ansatz, den gesamten Körper zu stärken und gleichzeitig die Lauftechnik zu verbessern ist eine großartige Lernerfahrung für einen gesunden und athletischen Lebensstil. Zum anderen ist unser kleines, aber wundervolles Lauf-Team zu wertvollen Freunden für mich geworden, auf die ich mich beim Training freue und die auch gerne außerhalb des Trainings treffe.

 

 

Okay, wir wechseln zum Lieblingsthema: Dein Lieblingsessen und -getränk?

 

 

Das ist einfach. Da ich aus Belgien stamme, liebe ich belgischen „Witlof“ (Chicorée), mit Schinken ummantelt, vollgesogen mit einer Käsesauce und im Ofen zubereitet. Ehrlich gesagt, ist es die einzige belgische Spezialität, die ich gut kochen kann, aber es reicht, meine internationalen Freunde ab unf an zu beeindrucken.

Getränke, naja, als ich letzten Sommer in Schottland war, habe ich Whiskey aus unterschiedlichen Regionen kennengelernt. Kürzlich hat dann Jens, ein Läufer aus unserem Team, einen Abend organisiert, an dem wir eine Auswahl seiner 40 unterschiedlichen Whiskeys verkosten konnten. Das hat mich wirklich ein wenig angefixt.

 

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